Das Problem begleitet mich bereits mein ganzes Leben. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist der Besuch bei einem Hausarzt, der meine Mutter recht harsch zurechtwies, weil ich abnehmen müsse. Mit acht Jahren erlitt ich einen Autounfall. Der längere Krankenhausaufenthalt sowie die krankheitsbedingte Isolation ließen meinen Kummerspeck gedeihen.
Es folgten Versuche meiner Mutter mit verschiedenen Diäten – meist aus albernen Frauenzeitschriften, aber auch mit der renommierten Scarsdale-Diät –, meiner Fettleibigkeit Herr zu werden. Erfolgreicher war hingegen eine Aktion unseres Sportlehrers, der uns in der Turnhalle filmte. Mich selbst als Pummel über den Boden rollen zu sehen, muss etwas in mir ausgelöst haben.
Ich verzichtete aus eigener Initiative auf Nahrung, knabberte an Pumpernickel und Äpfeln. Ein Wachstumsschub und mehr Bewegung halfen mir dabei, und mit 15 hatte ich Normalgewicht – und auch meine erste Freundin. Ich konnte eine normale Jugend erleben.
Mit 18 breitete sich eine starke Schuppenflechte an meinem linken Knöchel aus, die sich bis Mitte 40 hartnäckig hielt. Allergietests, Bestrahlungstherapien, Kortison – nichts konnte mir helfen. Mit Mitte dreißig musste ich wegen einer Mandelentzündung erneut ins Krankenhaus, und erneut ging ich auf wie ein Hefeteig. Schlimmer noch: Ich wurde förmlich fettsüchtig.
Keine Hose passte mir mehr, der Hosenträger wurde zu meinem Markenzeichen, da der Bauch jede Hose nach unten drückte. Meine Sommerhose konnte ich nicht mehr über die Oberschenkel ziehen. Der letzte Ausweg schien eine Magenoperation zu sein, und ich begann, mich über die Möglichkeiten zu informieren.
Dabei stolperte ich über ein YouTube-Video von Quarks & Caspers aus dem Jahr 2013, in dem das Intervallfasten vorgestellt wurde:
Ich entschied mich für die 5:2-Methode, bei der an zwei Tagen pro Woche keine oder nur sehr wenig Nahrung aufgenommen wird. Bereits nach sechs Monaten konnte ich meine Sommerhose wieder tragen und meine erste zweiwöchige Fernwanderung unternehmen. Doch an diesem Punkt begann das Abnehmen zu stagnieren.
Auch ein dritter Hungertag brachte keine Abhilfe. Vermutlich lag es an der Trägheit meines Darms, einer konsequent falschen Ernährung an den Esstagen sowie an Mangelerscheinungen, die Fressattacken an den Hungertagen auslösten – und jeden Erfolg im Keim erstickten. Mein Gewicht stieg wieder langsam, aber stetig.
Der Gamechanger: Apfelessig?
Wieder stolperte ich über ein Video auf YouTube, diesmal zum Thema Apfelessig:
Skeptisch investierte ich 89 Cent und nahm an den Esstagen vor den Mahlzeiten sowie an den Hungertagen einmal mittags jeweils zwei Esslöffel Apfelessig in lauwarmem Wasser zu mir. Seitdem halte ich die Hungertage souverän durch.
In den ersten zwei Wochen fühlte ich mich schlapp, hatte Juckreiz und Kopfschmerzen – Symptome dafür, dass der Körper viszerales Fett abbaut, in dem er gerne Abfallstoffe einlagert. Diese Gifte überschwemmten meinen Körper. Da ich diesen Prozess bereits kannte, blieb ich am Ball.
Das war Ende Oktober. Mittlerweile nutze ich meinen Gürtel wieder und befinde mich beim dritten Loch. Meine Sommerhose sitzt am Bund noch stramm, lässt sich aber problemlos schließen.
Weitere positive Effekte folgten: Zum ersten Mal seit meinem 18. Lebensjahr habe ich keinerlei Hautentzündungen mehr. Die Schuppenflechte ist vollständig verschwunden. Die Hornhaut unter meinen Füßen ist fast weg, und selbst Deodorant benötige ich kaum noch. Auch meine Konzentrationsfähigkeit – insbesondere an Fastentagen – hat sich deutlich verbessert.
Am meisten Mut macht mir jedoch Folgendes: Drei Meter von mir entfernt steht eine Keksdose. Früher hätte ich bei leerem Magen nicht widerstehen können. Heute ist sie mir völlig egal.
Was in meinem Körper geschieht, ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Es nennt sich Autophagie. Für deren Erforschung erhielt der Japaner Yoshinori Ohsumi 2016 den Medizin-Nobelpreis.
Die Weihnachtsvöllerei ist beendet
Die Weihnachtsvöllerei ist vorbei, und zwei Fastentage habe ich bereits wieder erfolgreich absolviert. Da das viszerale Fett größtenteils abgebaut ist, wird sich mein Körper künftig an anderen Stellen bedienen: Beine, Gesäß und Arme – also dort, wo überschüssiges Fett meine Beweglichkeit am meisten einschränkt.
Das Bauchfett steht dabei an letzter Stelle. Deshalb werde ich meine Waage entstauben und mich mindestens einmal wöchentlich wiegen.
Mein Plan im Detail: Drei Fastentage pro Woche
- Letzte Mahlzeit vor 20 Uhr
- Start des Fastentags mit einer Tasse Kaffee und einem halben Teelöffel Zimt
- Mittags zwei Esslöffel Apfelessig, anschließend ein Teelöffel Flohsamen
- Vor dem Schlafengehen ein gestrichener Esslöffel Bio-Erdnussbutter
- Getränke: grüner Tee (vormittags), Hagebuttentee (mittags), Pfefferminztee (abends)
- Erste Mahlzeit nach dem Fastentag mittags – etwa 40 Stunden ohne Nahrung
- Auch an Esstagen: Essensfenster von 12 bis 20 Uhr (16:8)
Mein Ziel: Wohlfühlgewicht
Richtig schlank will ich nicht werden. Bei meiner Körpergröße und meinem Alter würde ein Gewicht von 96 kg bedeuten, dass ich nicht mehr als fettleibig, sondern nur noch als übergewichtig gelte. Damit wäre mein Gewicht gesundheitlich nicht mehr bedenklich.
Langfristig möchte ich unter 90 kg kommen und damit als normalgewichtig gelten. Laut BMI-Rechner der AOK liegt mein Idealgewicht zwischen 71 und 90 kg.
Sobald ich mein Wohlfühlgewicht erreicht habe, werde ich zwei der Fastentage streichen und sie nur noch zur Gewichtsstabilisierung einsetzen.
Wiegen werde ich mich jeweils am Montagmorgen. Zur eigenen Motivation wird mein aktuelles Gewicht in der rechten Seitenleiste dieser Website veröffentlicht.
Sobald es die Außentemperaturen zulassen, werde ich meine Hantelbank und den Crosstrainer wieder aktivieren, die derzeit in der Garage überwintern. Im Sommer plane ich mit meiner Frau eine Wanderung auf dem GR2 auf La Réunion. Die vielen Höhenmeter machen 15 Kilogramm weniger Körpergewicht zu einem enormen Vorteil.
Hinweis / Disclaimer
Dieser Artikel gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und Einschätzungen wieder. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine fachliche Behandlung.
Die beschriebenen Methoden, insbesondere Fasten, Intervallfasten und Nahrungsergänzungen, können je nach Person unterschiedliche Auswirkungen haben. Wer an chronischen Erkrankungen leidet, Medikamente einnimmt oder gesundheitliche Beschwerden hat, sollte vor einer Ernährungsumstellung unbedingt Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Fachperson halten.
Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität. Die Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen erfolgt auf eigene Verantwortung.

